Montag, 25. April 2011

Ein kleiner Reisebericht (Teil 1)

Wie versprochen berichte ich euch heute über die erste Hälfte meines Urlaubes im März :)

Besuch aus der Heimat und Urlaub
1.März – 19. März 2011


Am Dienstag den 1. März 2011 landeten meine Eltern um 8:40 Ortszeit in Buenos Aires. Und wer erwartete sie schon freudig am Flughafen: niemand. Was aber nur daran lag, dass der internationale Flughafen Buenos Aires´ in Ezeiza die wohl schlechteste Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz hat, die ich je gesehen habe. Ich, die ich eigentlich spätestens gegen 10 Uhr am Flughafen sein wollte, saß nämlich schon lange vor der pünktlichen Landung, sowie auch noch über 2 weitere Stunden danach im Bus. Nachdem ich es dann doch bis zum Flughafen geschafft hatte konnte ich nach fast 6 Monaten endlich meine Eltern wiedersehen!
Nach einer Stärkung bei McDonald´s (der Kulturschock sollte ja nicht zu extrem für meine Eltern werden ;)) machten wir uns im Taxi auf den Weg in unser Hostel in Belgrano. Dort blieben wir bis zum darauffolgenden Sonntag. Was anstand waren nicht nur ausführliche Stadtbesichtigungen, sondern auch ein Besuch in Los Luceros und einen bei meiner Gastfamilie. Als Einführung schauten wir uns Puerto Madero, das moderne Hafenviertel das etwas an die Hamburger Hafencity erinnert, an und aßen ein leckeres Kilo Eis.


Und noch bevor der Urlaub richtig losgehen konnte, fuhren wir zu dritt nach Los Luceros um dort einen Tag zusammen zu arbeiten. Ich hatte Maria Marta schon vorgewarnt und auch erzählt, dass mein Vater als Tischler gerne ein paar Handwerkliche Dinge in Luceros regeln könnte. So kam es, dass meine Eltern für einen Tag das Leben in Luceros nicht nur beobachten, sondern auch mitführen konnten.
Es war ein besonders schöner Tag, ohne viel Streit und den üblichen Stress und darüber bin ich froh. Hiermit überlasse ich das Wort noch einmal einem „Außenstehenden“ um euch Luceros noch aus einer anderen Sichtweise zu zeigen.

Ein Tag in Los Luceros (von Birte Jansen)
Mittwoch, den 2. März 2011

Als Anneke Pläne machte, für ein Jahr nach Argentinien zugehen, fragten wir sie, ob sie etwas dagegen hätte, wenn wir sie dort besuchen würden. Und so kam es, dass sie uns die Gelegenheit gab, ihre neue Heimatstadt, ihre sympathischen Gasteltern, aber vor allem auch ihre Wirkstätte, die soziale Einrichtung „Los Luceros“ in Buenos Aires kennenzulernen.
Unser Tag in „Los Luceros“ war geprägt von vielen neuen Eindrücken. Die Kinder und Jugendlichen, die wir dort kennenlernen durften, waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen. Eines der älteren Mädchen versuchte sich lachend in radebrechendem Deutsch: „ Gutten Tak“.
Anneke hatte unsere Mithilfe angekündigt und so gab es vor allem für Rainer als Tischler einiges zu tun. Zunächst leise fluchend reparierte er „Sperrmüll“, später demontierte er mit Martin, dem anderen deutschen Freiwilligen, eine Industriepallette, eine Spende des in der Nähe ansässigen Autowerkes Ford. Aus dem so gewonnenen Holz bauten die größeren der Jungen dann unter seiner Anleitung, mit primitivsten Werkzeugmitteln und viel Schweiß ein Regal für den „Shop“, in dem Flohmarktartikel verkauft werden. Es war großartig zu sehen, mit wie viel Engagement die Jungs dabei waren.
Ich ließ mich derweil von Anneke herum führen und ging ihr in Küche und Garten zur Hand. Das Gelände, inmitten eines Armenwohnviertels, ist, an europäischen Verhältnissen gemessen, erschreckend einfach ausgestattet. Das Mobiliar fällt fast auseinander, die Gebäude geben einen morbiden Mief von sich, es wird mit Material gearbeitet, das in Deutschland schlicht als „Müll“ gelten würde. Es fehlt einfach an allem, da die Einrichtung sich ausschließlich aus Spenden finanziert.
Das, was den „Laden“ zusammenhält, ist die Autorität der Initiatorin und Leiterin des Projektes, Maria Marta Charme. Sie führt ein strenges Regiment und sorgt auf die Art für Struktur, die den jungen Menschen gut tut. Die Bedingungen sind schwierig, aber der Tageszeitplan wird streng eingehalten. Vor dem Essen wird gemeinsam ein Spruch (natürlich in Spanisch) gesprochen, der mir bekannt vorkam: „Erde, die uns dies gebracht, Sonne, die es reif gemacht….“ Das Waldörfische in Los Luceros blinkt in diesen Momenten leise durch.
In tröstlicher Erinnerung angesichts der sozialen Umstände wird uns aber in jedem Fall das Lachen der Kinder bleiben, Ihre Fröhlichkeit, ihr Gemeinschaftssinn. Ein unterstützenswertes Projekt, wie auch die „Freunde der Erziehungskunst“ finden. Trotz drastischer Einschnitte bei der Entsendung von Freiwilligen in vermeintlich soziale Institutionen, wird diese Einrichtung auch im nächsten Jahr weiter personelle Zuwendungen erhalten.



Die nächsten Tage stand dann das Sightseeing-programm in Buenos Aires an, wobei ich, ein wenig zu meinem Erstaunen, eine gewisse Begeisterung fürs „Touri-Führer“ spielen entdeckte. Wir schauten uns die Avenida 9 de Julio an, den Obelisken, den Plaza und die Avenida de Mayo, tranken einen Kaffee im Café Tortoni, wo wir uns auch eine Tango-Show anschauten, besichtigten die Avenida Corrientes bei Nacht, fuhren zum Friedhof von Recoleta, beobachteten das Dunkelwerden vor der Casa Rosada, gingen am Sonntag auf die große Feria in San Telmo und besuchten letztendlich auch La Boca, das Ursprungsviertel des Tango. Am Samstag stand noch der Besuch bei meiner „ Ersatzfamilie“ an und natürlich ein typisch argentinisches Asado. Danach entstand noch ein lustiges Foto: ich mit meinen Mamas und Papas :)



Am Sonntag Nachmittag ging unsere Reise dann los: 18 Stunden, ca. 1300 Kilometer im klimatisierten Reisebus in den Norden, nach Puerto Iguazu in der argentinischen Provinz Misiones. Die Wasserfälle (Cataratas) von Iguazu wollte sich nämlich keiner von uns entgehen lassen. Noch am Montag fuhren wir zu dem Naturschutzgebiet um die Wasserfälle (und bezahlten einen nicht geringen Eintrittspreis um hereinzukommen). Über Stege, Treppen und Brücken erreicht man alle Wasserfälle der argentinischen Seite und die Aussicht, die von jeder einzelnen Plattform hat, ist atemberaubend. Von den meisten Plattformen und Stegen schaut man in einen Kessel gefüllt mit Wasser, Nebel und Regenbogen in den fast von allen Seiten das Wasser hereinstürzt. Nur ein offene Seite sorgt dafür, dass der Kessel nie überläuft. Auf einem der Stege kann man auch an den Fuß eines der größeren Wasserfälle. Trocken kommt man dort kaum heraus, aber der Wind der dort unten weht ist doch erstaunlich stark.



Unsere Reise ging schon am nächsten Tag weiter: ca. 1500 Kilometer über Posadas und Corrientes nach Salta, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Leider verrät mein Tagebuch nicht wie lange die Fahrt dauerte, dafür aber folgendes:
Die Busfahrten verlaufen in etwa so:
Einsteigen gegen späten Vormittag
1 Film anschauen
Essen
Noch 1 Film
Erster Stopp in Posadas
Ein weiterer Film
Merienda/Kaffe-trinken
Film
Zweiter Stopp in Corrientes
Abendessen
Letzter Film für heute und danach
Schlafen







...Fortsetzung folgt ;)

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