Montag, 30. Mai 2011
7 meses, 7 semanas, 7 dias
Samstag, 14. Mai 2011
Mein Zirkusprojekt
Ich hab schon seit langen darüber nachgedacht, wie ich mich endlich auch mal persönlich in Los Luceros einbringen könnte. Phillip, mein Vorgänger, hatte zum Beispiel ein kleines eigenes Bauprojekt in Luceros. Das Häuschen, das er dabei errichtete, ist jetzt Aufbewahrungsort für die gespendete Kleidung die Montags immer verkauft wird und die Nähwerkstatt in der es Dienstags einen Nähworkshop für die Mädchen gibt. Und Martin hatte bereits von Anfang an durch seinen Akkordeon-Unterricht einen eigenen Bereich und hat jetzt auch noch die meiste Verantwortung im Garten übernommen. Obwohl ich mit der Zeit auch immer mehr selbstständig in der Küche arbeitete, wollte ich auch mit den Kindern etwas machen. Da ich selbst früher unheimlichen Spaß daran hatte Zirkus zu spielen und Kunststücke einzuüben, hatte ich die Idee, das selbe mit den Kindern zu tun. So entstand also mein eigenes Projekt!
Meine Idee war, den Kindern einige Kunststücke und Zaubertricks beizubringen, um diese später vorzuführen. Nachdem ich die Idee schon im Januar vorgebracht hatte und sie auch begeistert angenommen wurde, wurde der Beginn aber immer nach hinten verschoben. Erst kam die Reise dazwischen, dann mein Urlaub. Doch danach konnte es losgehen. Jeden Montag und Donnerstag habe ich jetzt eine halbe Stunde, in der ich den Kindern z.B. jonglieren, auf Stelzen laufen, Diabolo spielen und einige Zaubertricks beibringe. Balancieren und Stelzen laufen stellt sich für die Kinder ungewöhnlich schwer dar, jonglieren dagegen können einige schon und ich konnte es auch schon 2 Mädchen beibringen. Insgesamt freuen die Kinder sich schon immer auf die halbe Stunde. Vielleicht auch, weil es für sie mehr spielen ist als lernen, aber da ich bisher trotzdem schon Erfolge erzielen könnte, sehe ich nicht die Notwendigkeit daran etwas zu ändern und einen „strengen Unterricht“ daraus zu machen.
Nach und nach kommen immer neue Dinge zu meinem Workshop dazu durch den Einfluss und die Ideen von Leuten, die davon hören oder es sehen. So kam die Idee für die Stelzen zum Beispiel von Martin und Esteban (einer von den „Gartenleuten“) schlug das vor, was ihr auf dem letzten Bild sehen könnt (keine Ahnung wie das heißt oder wie man es beschreiben kann deswegen schaut einfach :)). Mit den Zaubertricks bin ich noch nicht so gut voran gekommen. Auch wenn ich früher begeisterte „Hobby-Zauberin“ war, reicht es noch nicht, um den Kindern wirklich etwas zu zeigen. Doch noch habe ich ein wenig Zeit bis zu der Aufführung! Und bis dahin werde ich weiter berichten wie es voran geht!
Freitag, 6. Mai 2011
Zurück in Los Luceros (seit dem 21. März 2011)
Seit neustem merke ich, wie man mir immer mehr Verantwortung überträgt und ich mehr Freiraum und Vertrauen vor allem auch von Maria Marta bekomme (obwohl sie trotzdem noch ziemlich oft ihrem Kontrollzwang folgend kommt um zu schauen, was ich gerade mache). Neulich wollte sie mir mal wieder auf ihre typische Weise haarklein erklären, wie ich etwas wegzuräumen hätte und sagt plötzlich: „ach, du weißt das sowieso besser als ich“ und überlies mich mir selbst. Ich konnte meinen Ohren erst nicht trauen, aber da sie wirklich einfach wegging, beschloss ich diese Erfahrung als einen großen Fortschritt und Erfolg zu betrachten!
Samstag, 30. April 2011
Ein kleiner Reisebericht (Teil 2)
Die Busfahrten verlaufen in etwa so:
Einsteigen gegen späten Vormittag
1 Film anschauen
Essen
Noch 1 Film
Erster Stopp in Posadas
Ein weiterer Film
Merienda/Kaffe-trinken
Film
Zweiter Stopp in Corrientes
Abendessen
Letzter Film für heute und danach
Schlafen
…
An unserem Ankunftstag dort und nach der erfolgreichen Suche eines Hostels, schauten wir uns erst einmal ein wenig die Stadt an. Auf dem hübschen Plaza in der Mitte der Stadt steht nicht nur das Regierungsgebäude, sondern auch eine große Kirche und etliche Restaurants und Geschäfte. Nach einer Stärkung in einer dieser Restaurants mit Blick auf die Kirche, schauten wir uns noch weiter in Salta um und planten die nächsten 2 Tage. Von Salta fährt der berühmte „Tren de las nubes“ (der Wolkenzug) in die Anden… leider überteuert und schon Monate vorher durch Massen an Touristen ausgebucht. Deswegen suchten wir uns andere Ausflugsziele. Einen Tag sollte es durch die Anden nach Cafayate gehen, berühmt für seinen Wein, und den anderen Tag zu den Salinas Grandes (ein riesiger Salzsee) in den Anden der argentinischen Nachbarprovinz Jujuy. Zu beiden Zielen konnte man einen Tagesausflug mit einer kleinen Reisegruppe und einem Reiseleiter buchen.
Leider lief bei unserer ersten Buchung etwas schief, sodass ich ohne meine Eltern die „Reise“ nach Cafayate antrat. Auf dem Weg dorthin schauten wir uns die verschiedensten Steinsformationen in den Anden an um schließlich in Cafayate selbst 3 Weinproben und ein Mittagessen hinter uns zu bringen. Danach blieb noch Zeit für eine kleine Stadtbesichtigung und auf dem Rückweg erneut Steinsformationen. Die ganze Fahrt wurde ständig begleitet durch die auf Englisch und Spanisch vorgetragenen Erklärungen und Geschichten unserer Reiseleiterin, was sehr interessant war, soweit ich es denn verstand.Am nächste Tag fuhren wir dann, diesmal alle zusammen, zu den Salinas Grandes. Dafür schlängelten wir uns erst mal 4170m auf die Anden herauf. Wie das auch unter den Eingeborenen, besonders in Bolivien, üblich ist, kauten wir Coca-Blätter gegen die Höhenkrankheit. Es ist schon erstaunlich wie dünn die Luft da oben ist und wie kalt es doch plötzlich wird ohne das man wirklich friert. Der riesige Salzsee den wir dann erreichten ist faszinierend. Man kommt sich vor, als würde man übers Wasser gehen wenn man die Salzfläche betritt die mit einem Hauch von Wasser überzogen ist. Man könnte meinen, dass es sich anfühlt als würde man über einen zugefrorenen See gehen, aber irgendwie fühlt es sich anders an. Durch den absolut glatten und weißen Untergrund, der die Entfernungen nicht so klar darstellt, kann man ein paar lustige Fotos schießen…
Auf dem Rückweg machten wir Halt in Purmamarca, ein kleines Kaff, das sicher nur dort steht und (über)lebt weil es neben dem „siebenfarbigen Berg“ errichtet wurde und deswegen täglich Touristen durch das Dorf pilgern. Auf unsere Rückfahrt machten wir noch einen kleinen Stopp in einem Regenwald bevor wir zurück in unser Hostel gebracht wurden.
Am Samstag ging unsere Reise dann zurück nach Buenos Aires: geplant ca. 22 Stunden über die Panamericana. Doch uns kam was dazwischen: ein geplatzter Reifen. Trotz 4 Stunden die wir auf unsere Weiterfahrt mitten im Nirgendwo warteten hatten wir am Sonntagmorgen kaum Verspätung.
Nach einem faulen Tag in Buenos Aires brach dann unsere letzte gemeinsame Woche an. In dieser Woche ging es rüber nach Uruguay. Die Fahrt ging morgens früh los; und zwar mit dem Schiff! Von Buenos Aires bis Montevideo dauerte es knapp 3 Stunden und von dort ging es weiter mit dem Bus (ca. 1 ½ Stunden) bis Punta del Este. Das ist wohl der touristische Ort an der Küste Uruguays, im März jedoch schon fast leer. Ein leeres Hotel reiht sich ans andere. Unseres hatte die perfekte Lage: 2 Blocks vom Rio de la Plata und 2 Blocks vom Atlantik entfernt und vor der Tür „Cococ´s Grill“, wo es die besten Hamburger gibt die ich je gegessen habe!
Unseren Plänen noch 2 Nächte in Montevideo zu verbringen, wurde durch die Erkrankung meines Vaters ein Strich durch die Rechnung gemacht. So blieben wir also bis Freitagnachmittag in Punta del Este um die Sonne, das Meer und den Strand zu genießen.
Am Freitagabend fuhren wir zurück nach Montevideo, wo wir eine Nacht im Hotel verbrachten um am nächsten Morgen schon früh mit dem Bus weiter nach Colonia zu fahren, von wo unser Schiff zurück nach Buenos Aires gehen sollte.
Zurück in Buenos Aires hieß es dann Abschied nehmen für das nächste halbe Jahr. Mit dem Shuttlebus von Retiro schickte ich meine Eltern ca. 6 Stunden zu früh zum Flughafen (sie wollten das aber auch so!) und machte mich selbst auf meine 2 ½ stündige Busfahrt zurück in mein Heim.
Montag, 25. April 2011
Ein kleiner Reisebericht (Teil 1)
Besuch aus der Heimat und Urlaub
1.März – 19. März 2011
Nach einer Stärkung bei McDonald´s (der Kulturschock sollte ja nicht zu extrem für meine Eltern werden ;)) machten wir uns im Taxi auf den Weg in unser Hostel in Belgrano. Dort blieben wir bis zum darauffolgenden Sonntag. Was anstand waren nicht nur ausführliche Stadtbesichtigungen, sondern auch ein Besuch in Los Luceros und einen bei meiner Gastfamilie. Als Einführung schauten wir uns Puerto Madero, das moderne Hafenviertel das etwas an die Hamburger Hafencity erinnert, an und aßen ein leckeres Kilo Eis.
Es war ein besonders schöner Tag, ohne viel Streit und den üblichen Stress und darüber bin ich froh. Hiermit überlasse ich das Wort noch einmal einem „Außenstehenden“ um euch Luceros noch aus einer anderen Sichtweise zu zeigen.
Ein Tag in Los Luceros (von Birte Jansen)
Mittwoch, den 2. März 2011
Als Anneke Pläne machte, für ein Jahr nach Argentinien zugehen, fragten wir sie, ob sie etwas dagegen hätte, wenn wir sie dort besuchen würden. Und so kam es, dass sie uns die Gelegenheit gab, ihre neue Heimatstadt, ihre sympathischen Gasteltern, aber vor allem auch ihre Wirkstätte, die soziale Einrichtung „Los Luceros“ in Buenos Aires kennenzulernen.
Unser Tag in „Los Luceros“ war geprägt von vielen neuen Eindrücken. Die Kinder und Jugendlichen, die wir dort kennenlernen durften, waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen. Eines der älteren Mädchen versuchte sich lachend in radebrechendem Deutsch: „ Gutten Tak“.
Anneke hatte unsere Mithilfe angekündigt und so gab es vor allem für Rainer als Tischler einiges zu tun. Zunächst leise fluchend reparierte er „Sperrmüll“, später demontierte er mit Martin, dem anderen deutschen Freiwilligen, eine Industriepallette, eine Spende des in der Nähe ansässigen Autowerkes Ford. Aus dem so gewonnenen Holz bauten die größeren der Jungen dann unter seiner Anleitung, mit primitivsten Werkzeugmitteln und viel Schweiß ein Regal für den „Shop“, in dem Flohmarktartikel verkauft werden. Es war großartig zu sehen, mit wie viel Engagement die Jungs dabei waren.
Ich ließ mich derweil von Anneke herum führen und ging ihr in Küche und Garten zur Hand. Das Gelände, inmitten eines Armenwohnviertels, ist, an europäischen Verhältnissen gemessen, erschreckend einfach ausgestattet. Das Mobiliar fällt fast auseinander, die Gebäude geben einen morbiden Mief von sich, es wird mit Material gearbeitet, das in Deutschland schlicht als „Müll“ gelten würde. Es fehlt einfach an allem, da die Einrichtung sich ausschließlich aus Spenden finanziert.
Das, was den „Laden“ zusammenhält, ist die Autorität der Initiatorin und Leiterin des Projektes, Maria Marta Charme. Sie führt ein strenges Regiment und sorgt auf die Art für Struktur, die den jungen Menschen gut tut. Die Bedingungen sind schwierig, aber der Tageszeitplan wird streng eingehalten. Vor dem Essen wird gemeinsam ein Spruch (natürlich in Spanisch) gesprochen, der mir bekannt vorkam: „Erde, die uns dies gebracht, Sonne, die es reif gemacht….“ Das Waldörfische in Los Luceros blinkt in diesen Momenten leise durch.
In tröstlicher Erinnerung angesichts der sozialen Umstände wird uns aber in jedem Fall das Lachen der Kinder bleiben, Ihre Fröhlichkeit, ihr Gemeinschaftssinn. Ein unterstützenswertes Projekt, wie auch die „Freunde der Erziehungskunst“ finden. Trotz drastischer Einschnitte bei der Entsendung von Freiwilligen in vermeintlich soziale Institutionen, wird diese Einrichtung auch im nächsten Jahr weiter personelle Zuwendungen erhalten.
Die nächsten Tage stand dann das Sightseeing-programm in Buenos Aires an, wobei ich, ein wenig zu meinem Erstaunen, eine gewisse Begeisterung fürs „Touri-Führer“ spielen entdeckte. Wir schauten uns die Avenida 9 de Julio an, den Obelisken, den Plaza und die Avenida de Mayo, tranken einen Kaffee im Café Tortoni, wo wir uns auch eine Tango-Show anschauten, besichtigten die Avenida Corrientes bei Nacht, fuhren zum Friedhof von Recoleta, beobachteten das Dunkelwerden vor der Casa Rosada, gingen am Sonntag auf die große Feria in San Telmo und besuchten letztendlich auch La Boca, das Ursprungsviertel des Tango. Am Samstag stand noch der Besuch bei meiner „ Ersatzfamilie“ an und natürlich ein typisch argentinisches Asado. Danach entstand noch ein lustiges Foto: ich mit meinen Mamas und Papas :)
Am Sonntag Nachmittag ging unsere Reise dann los: 18 Stunden, ca. 1300 Kilometer im klimatisierten Reisebus in den Norden, nach Puerto Iguazu in der argentinischen Provinz Misiones. Die Wasserfälle (Cataratas) von Iguazu wollte sich nämlich keiner von uns entgehen lassen. Noch am Montag fuhren wir zu dem Naturschutzgebiet um die Wasserfälle (und bezahlten einen nicht geringen Eintrittspreis um hereinzukommen). Über Stege, Treppen und Brücken erreicht man alle Wasserfälle der argentinischen Seite und die Aussicht, die von jeder einzelnen Plattform hat, ist atemberaubend. Von den meisten Plattformen und Stegen schaut man in einen Kessel gefüllt mit Wasser, Nebel und Regenbogen in den fast von allen Seiten das Wasser hereinstürzt. Nur ein offene Seite sorgt dafür, dass der Kessel nie überläuft. Auf einem der Stege kann man auch an den Fuß eines der größeren Wasserfälle. Trocken kommt man dort kaum heraus, aber der Wind der dort unten weht ist doch erstaunlich stark.
Unsere Reise ging schon am nächsten Tag weiter: ca. 1500 Kilometer über Posadas und Corrientes nach Salta, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Leider verrät mein Tagebuch nicht wie lange die Fahrt dauerte, dafür aber folgendes:
Die Busfahrten verlaufen in etwa so:
Einsteigen gegen späten Vormittag
1 Film anschauen
Essen
Noch 1 Film
Erster Stopp in Posadas
Ein weiterer Film
Merienda/Kaffe-trinken
Film
Zweiter Stopp in Corrientes
Abendessen
Letzter Film für heute und danach
Schlafen
…
Sonntag, 17. April 2011
Postkarte aus Buenos Aires
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