Donnerstag, 9. September 2010

An was man alles denken muss:

Neben den Abiturklausuren, den Vorbereitungen für die mündlichen Prüfungen und dem normalen Alltag begann ich mich Mitte März auf mein Jahr in Argentinien vorzubereiten. Ich fing mit einem Arztbesuch an. Das Ergebnis war eine Impfung gegen Hepatitis A und B, eine Impfung gegen Typhus und ein ganzer Berg von Rezepten, die ich vor meiner Reise einlösen sollte (insgesamt habe ich dabei über 200 € in der Apotheke gelassen!)
Natürlich mussten in dieser Zeit auch meine Spenden gesammelt werden. 1800 € sind nicht einfach zusammen zu sammeln. Nach meinem doch eher kläglichen ersten Versuch auf dem Wintermarkt in meiner Schule, versuchte ich es jetzt also mit einem Thementag zuhause (2.Mai 2010). Leider auch nur mit mäßigem Erfolg, doch langsam kam das Ganze ein bisschen in Schwung. Meine Versuche bei größeren Firmen oder beim Hamburger Abendblatt Spenden zu bekommen schlugen leider fehl und trotzdem kam ich bis Anfang August auf knapp 1150 €.
Meine Reisefreigabe erhielt ich am 9.6.2010, was bedeutete, dass ich ab diesem Zeitpunkt meinen Flug buchen konnte. Noch vor ende der nächsten Woche war auch das erledigt und endlich stand mein endgültiges Ausreisedatum fest: der 5. September 2010.
Dann brauchte ich natürlich noch ein Visum. Ich erkundigte mich bei anderen Freiwilligen wie sie das gemacht hatten mit dem Visum. Die Antwort darauf gefiel mir nicht besonders: alle ehemaligen Freiwilligen aus Buenos Aires waren alle 3 Monate nach Uruguay ausgereist, um ihr normales 90 Tage lang gültiges Touristenvisum um weitere 90 Tage zu verlängern. Zu meinem Glück lief es dieses Jahr etwas anders: die „Freunde“ nahmen die Visumfrage aller Südamerika Freiwilligen in die Hand und das einzige was ich tun musste, war einen Zettel ausfüllen und ihn zusammen mit meinem Reisepass zu den „Freunden“ schicken. Es dauerte zwar eine Weile, aber als mein Reisepass zurück kam war dort ein Visum für 6 Monate gültig ab Einreisedatum drin. Was danach kommt weiß ich selber noch nicht, aber trotzdem bin ich froh die ersten 6 Monate hier in Buenos Aires bleiben zu können!
Auch die Frage wie ich in Buenos Aires an Geld kommen sollte musste noch geklärt werden. Einmal im Monat sollten die „Freunde“ mir 100€ Taschengeld plus 80€ Essensgeld überweisen, aber wohin? Mein normales Haspa-Konto war dafür nicht besonders geeignet weil es zu teuer werden würde immer Geld von diesem in Argentinien abzuheben. Die Alternative dazu war ein neues Konto bei einer neuen Bank zu eröffnen, die versprach, es einem zu ermöglichen in der ganzen Welt kostenlos Geld abzuheben. Auch wenn die Zeit etwas knapp wurde vor meiner Ausreise eröffnete ich also ein neues Konto. Ob es jetzt so funktioniert wie versprochen konnte ich aber noch nicht ausprobieren.
Außerdem gab es noch unendlich viele Kleinigkeiten an die man denken musste: Moskitonetz, Adapter für die Steckdose, Gastgeschenke, noch einmal neue Klamotten… man muss einfach bedenken das man 1 Jahr nicht in der gewohnten Umgebung verbringen wird und deswegen erst einmal mit allem ausgestattet sein muss, was man so braucht; Zusätzlich zu den besonderen Dingen, die man nur in Argentinien oder für ein Auslandsjahr braucht.

Mittwoch, 8. September 2010

Eine Zusage!

Letztendlich bekam ich dann doch noch Antworten auf meine Bewerbungen. In der ersten Aufregung über die E-Mails aus Südamerika war es erst mal schwierig diese zu übersetzten. Dann stellte sich heraus, dass mich mein bevorzugtes Projekt in Buenos Aires nicht gebrauchen konnte und auch der Kindergarten in Lima schon jemanden hatte und ich mich erst bemühen müsste damit die „Freunde“ dem Kindergarten einen zweiten Freiwilligen genehmigten. Doch dann las ich die dritte E-Mail die ebenfalls aus Buenos Aires kam und da hieß es plötzlich: Hola Querida Anneke, perdon que te volvamos a escribir, han surgido modificaciones y estamos disponiendo de otro lugar para una nueva voluntaria, si todavia sigues interesada esperamos escuchar de vos. Das bedeutete für mich das ich nicht nur endlich eine Zusage hatte sondern auch noch eine Zusage von meiner „Lieblingsdienststelle“! Diese Zusage kam am 24.2.2010 also fast 3 Monate nach meiner Bewerbung. Naja… besser spät als nie :P
Danach musste noch der vorläufige Vertrag ausgefüllt und unterschrieben an die „Freunde“ geschickt werden und sobald diese ihn erhalten hatte stand es fest: mein Ziel sollte Buenos Aires sein!

Mittwoch, 11. August 2010

Argentinien? Chile? Peru? Und wohin jetzt??

Nachdem ich meine Bewerbungen abgeschickt hatte, passierte lange nichts. Ich hatte damit gerechnet und war von Anfang an darauf eingestellt, noch einmal nachzuhaken. Für Enttäuschung war auch nicht viel Zeit, denn die Abitur-Vorbereitungen nahmen viel Zeit in Anspruch.
Nach 2 Wochen hakte ich dann mit einer eMail noch einmal bei den 4 Dienststellen nach, da mir klar war, dass dort unten bald die dreimonatigen Sommerferien beginnen würden. Auf nur 2 erhielt ich eine Antwort. Bei beiden Antworten handelte es sich allerdings um meine Favoriten: zum einen Chile und zum anderen die Dienststelle in Buenos Aires. Mir wurde mitgeteilt, dass sie sich bald entscheiden wollten und erst einmal war ich damit zufrieden.
Die Zeit verging, ich hoffte auf Nachrichten, lernte fürs Abi und zögerte einen Anruf in Südamerika immer weiter heraus.
Ende Februar, nach meinen schriftlichen Prüfungen, blieb mir jedoch keine andere Wahl mehr, als am anderen Ende der Welt einmal anzurufen und nachzufragen. Und das natürlich auf Spanisch! Zu meinem großen Glück erhielt ich an einem verschneiten, dunklen Abend Unterstützung von meiner Spanisch-Lehrerin. Nach ein bisschen Ausprobieren fanden wir sogar heraus, wie man mit unserem zweiten Telefon Gespräche, die von dem ersten geführt wurden, mit anhören konnte. So konnte meine Spanisch-Lehrerin zuhören und mir helfen, falls ich nicht weiter wusste. Erschwerend kam bei dem Telefonat noch dazu, dass man, um nicht zu viel zu bezahlen, lange Vorwahlen eingeben musste. Alleine das Wählen dauerte fast eine Minute!
Als erstes starteten wir einen Versuch, in Buenos Aires anzurufen. Leider kam keine Verbindung zustande. In Peru dagegen ging niemand ans Telefon. Doch bei beiden Schulen in Santiago erreichte ich jemanden. Ich sagte also mein vorbereitetes Sprüchlein auf: „Hallo, ich heiße Anneke Jansen. Ich spreche nicht so gut spanisch, bitte sprechen sie langsam.“ Und das versuchten sie auch. Ich verstand trotzdem kein Wort. Eine eigentlich recht gute aber für mich ungewohnt schlechte Telefonverbindung, die Aufregung und der chilenische Akzent verhinderten, dass ich sie verstand. Und wenn ich mal was verstand… was sollte ich antworten? Zum Glück hatte ich ja Hilfe: schnell vorsagen lassen, was man sagen soll und alles war gut! Letztendlich erhielt ich aber nur die Information, dass die Zuständige im Moment nicht da sei und dass ich doch später noch mal anrufen bzw. eine eMail schreiben sollte.
Ich war ziemlich froh, als es vorbei war. Es war zwar auch eine ganz gute Erfahrung, aber leider wusste ich danach immer noch nicht, wohin es gehen soll: Argentinien? Chile? Peru?

Freitag, 11. Juni 2010

E-Mails nach Südamerika

Nachdem ich das „go“ von den „Freunden“ bekommen hatte, bewarb ich mich in Südamerika. 4 Adressen hatte ich bekommen, wie jeder den die „Freunde“ unterstützen wollten, und meine Aufgabe war nun, mich bei mindestens einer dieser 4 Adressen so schnell wie möglich zu bewerben, einen guten Eindruck zu machen und natürlich angenommen zu werden.
Meine 4 Stellen lagen nicht, wie ich es eigentlich anfangs gewollt hatte, alle in Chile. Mir standen zur Auswahl: ein Kindergarten in Peru (Lima), zwei Schulen in Chile (Santiago) und eine soziale Einrichtung in Argentinien (Buenos Aires). Obwohl mein Ziel anfangs vor allem Chile gewesen war, war mein persönlicher Favorit die Einrichtung in Buenos Aires, die eine nachmittägliche Betreuung für die Kinder des Problemviertels Tigre anbietet. Diese Einrichtung erinnerte mich an die „Arche“ hier in Deutschland, bei der ich schon ein Praktikum gemacht hatte. Und sie war auch weiterhin mein Favorit, nachdem ich erfuhr, dass frühere Freiwillige Probleme mit der Chefin gehabt hatten und dass diese eigentlich viel lieber einen männlichen Freiwilligen hätte.
Obwohl ich vor allem Interesse an dieser Stelle hatte, bewarb ich mich bei allen 4. Ich schickte also 4 Motivationsschreiben und mit ihnen 4 mal die gleichen Dokumente wie Zeugnisse und so weiter nach Südamerika. Da es per Post viel, viel länger gedauert hätte und die meisten Einrichtungen auch mit einer Bewerbung per eMail zufrieden waren, landeten am 3. Dezember 2009 4 E-Mails von mir in Südamerika und ich hatte keine Ahnung, wie oder ob sie überhaupt ankamen.

Samstag, 1. Mai 2010

Versuch 1

Wintermarkt
November 2009
Den 1. Versuch zum Spendensammeln machte ich am 21. November 2009 auf dem Wintermarkt meiner Schule (Rudolf Steiner Schule Hamburg- Wandsbek). Ich war jedoch nicht ganz allein: Marlene Wölfle, eine Klassenkameradin, die ebenfalls einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst machen möchte und ich taten uns zusammen um einen Stand aufzubauen. Wir erhielten einen recht ungünstigen Platz im Ehemaligen-Café. An unserem Stand legten wir Info-Material au und boten jedem Interessierten für eine kleine Spende eine selbst bemalte Stofftasche, Postkarten, Marmelade und unsere Berichte an. Mit der Unterstützung unserer Geschwister und Eltern hielten wir den Stand für die gesamten 7 Stunden (10-17 Uhr) besetzt und hofften das Beste. Doch gleich der erste Versuch sollte eine Enttäuschung werden. Diejenigen, die spendeten waren unsere Klassenkameraden und Gelegenheit andere Menschen zum Spenden zu überzeugen erhielten wir nicht. So hatten wir am Ende des Tages knapp 50 € zusammen die wir untereinander aufteilten. Alles in allem ein nicht besonders gelungener Anfang zum Aufbau unserer Förderkreise.

Montag, 12. April 2010

Wo? Wie? Was? ... darf ich?

Vorbereitungs- und Auswahlseminar
Im Oktober 2009 machte ich mich also auf den Weg nach Karlsruhe. Das jedoch nicht alleine. Die wesentlichen Vorbereitungen auf dieses Seminar bestanden darin, dass ich mit den verschiedensten Leuten aus Hamburg und Norddeutschland mailte, um herauszufinden, wie man am besten dorthin kommt und wo wir am besten die Nacht vorher verbringen würden (wegen der weiten Reise von Hamburg nach Karlsruhe mussten wir am Tag vorher anreisen). Letztendlich schafften wir zu viert in einem Auto den weiten Weg von Hamburg nach Karlsruhe in eine Jugendherberge. Das Seminar sollte das Wochenende andauern und die 2. Nacht sollten wir in der Waldorfschule von Karlsruhe verbringen. Keiner von uns wusste genau, was auf uns zukommen würde und wir waren alle gespannt auf die nächsten beiden Tage.
Was uns dann erwartete am Samstag war: eine ganze Menge netter und motivierter Leute, Wünsche und Träume, Unmengen von Informationen und eine Einführung in die Waldorfpädagogik. Im Wesentlichen ging es an diesem Wochenende darum, uns, die zukünftigen Freiwilligen, auf das vorzubereiten, was uns erwarten würde, wenn wir ein Jahr im Ausland verbringen würden.
Zwischen den Kennen-lern-Spielen, den Vorträgen und Berichten, den Gesprächen und Arbeitsgruppen tauchte jedoch immer wieder eine Frage auf: darf ich überhaupt? Die „Freunde“ hatten sich vorbehalten, erst nach dem Seminar zu entscheiden, wen sie ins Ausland versenden würden und wen nicht. Da wurden wir also auf alles, was uns erwarten würde, vorbereitet und wussten noch nicht einmal, ob wir „durften“.
Zum Abschluss des Seminars fanden noch einmal Gespräche mit jedem Einzelnen statt, die entscheidend sein sollten. Das Ergebnis erfuhren wir trotzdem erst einige Wochen später: ich zumindest erhielt einen Umschlag mit jeder Menge Info-Material und 4 Adressen, bei denen ich mich bewerben konnte.

Dienstag, 6. April 2010

Wie alles begann…

Im Frühjahr 2009 wurde ich erstmals auf die „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.“ aufmerksam durch einen Vortrag bei mir an der Schule. Eine Mitarbeiterin der „Freunde“ berichtete über ihre verschiedenen anthroposophischen Projekte auf der ganzen Welt. Obwohl es mir erschien, als hätte ich noch lange Zeit bis zu meinem Abi und der Zeit danach, informierte ich mich über die Möglichkeiten, mit den „Freunden“ ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland zu machen. Ich entdeckte das „weltwärts“ Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Über verschiedene Träger (wie z.B. die „Freunde“) unterstützt das BMZ durch das Programm „weltwärts“ entwicklungspolitische Freiwilligendienste im Ausland.
Die Bewerbung für dieses Programm umfasste alleine schon 13 Seiten Fragebogen mit detaillierten Fragen über meine Bewegründe und Qualifizierungen für einen Freiwilligendienst sowie die Forderung nach einem Lebenslauf, Engagementsnachweisen und Zeugnissen. Mir wurde klar, dass das nächste Jahr anstrengend werden würde. Denn um einen der begehrten Plätze für das gut geförderte „weltwärts“ Programm zu ergattern, musste man zeigen, dass man wirklich qualifiziert und engagiert genug war.
Ich machte mich also an die Arbeit, sammelte Engagementsnachweise, kopierte Zeugnisse und beantwortete jede der 20 detaillierten Fragen des Fragebogens. Durch meine nicht ganz kontinuierliche Arbeit an der Bewerbung dauerte es bis nach den Beginn der Sommerferien, dass ich meine Bewerbung tatsächlich nach Karlsruhe zu den „Freunden“ abschickte.
Schon bald kam die Bestätigung, dass die „Freunde“ meine Bewerbung erhalten hatten und einen Monat quälender Warterei später schließlich das Anmeldeformular für das Vorbereitungsseminar. Und die etwas enttäuschende Nachricht, dass eine Teilnahme am Orientierungsseminar noch nicht bedeutete, dass man „genommen war“. Die „Freunde“ behielten sich vor, während des Seminars noch auswählen zu können, wen sie nehmen würden und wen nicht.
Also machte ich mich im Oktober 2009 auf den Weg nach Karlsruhe, einen weiteren Schritt meinem Traum entgegen.