Mittwoch, 15. September 2010

Ein neues Leben beginnt mit dem Abschied des alten

Die Zeit vergeht wie im Flug. Eben hab ich noch angefangen meine Koffer zu packen, habe Abschied gefeiert und immer wieder ausgerechnet wie viele Tage, wie viele Stunden und zuletzt, wie viele Minuten es noch sind bis zum Abflug und dann sitzt man plötzlich alleine auf dem Flughafen und hat das Gefühl, in den letzten Tagen seine Zeit verschwendet zu haben, weil man nicht das getan hat, was einem jetzt wichtig erscheint. Außerdem ständig der Gedanke etwas vergessen zu haben. Ich glaube, dass die Zeit zwischen dem Verlassen des eigenen Bettes und des eigenen Zuhauses, bis zur Ankunft im neuen zuhause und vor allem im neuen Bett, die schwierigste ist. Und das auch weil man so viel Zeit davon alleine verbringt. Ständig sieht man Leute die sich unterhalten, die sich auf das Ziel ihrer Reise freuen und Pläne schmieden und man selbst weiß nur eins: alles Gewohnte wird nun für ein Jahr nicht mehr da sein. Weder die Familie noch die Freunde, nicht mal das Wetter oder das Busfahren (und ich vermisse das Busfahren in Hamburg sehr! Und die U-Bahn erst!!). Die Zeit alleine mit diesen Gedanken ist nicht einfach, obwohl man weiß, dass sie vorbei geht.

Ein kurzer Bericht nun von und zu diesem nicht einfachen Tag, an dem sich für mich alles verändert hat: Sonntag der 5. September 2010.

Bevor es soweit ist, ist ein Jahr im Ausland schwer zu realisieren. Man verabschiedet sich von allen und von den wichtigsten sogar erst wenige Stunden vor dem Abflug und selbst dann kann man noch nicht wirklich erfassen, was es bedeutet alle für ein Jahr nicht zu sehen. Bei dem ein oder anderen Abschied fließen natürlich auch die Tränen und ich glaube, das sind die kurzen Momente in denen man sich klar wird darüber, was die lange Zeit der Abwesenheit das jeweils anderen für einen wirklich bedeutet.
So erging es mir auch an jenem Sonntag den 5.9.2010 um ca. 7:15 als mein Flugzeug nach Frankfurt noch eine Schleife über Hamburg machte und ich mich von meiner Heimatstadt verabschieden musste. Mein Fensterplatz zeigte zu meinem Glück in die richtige Richtung, sodass ich noch einen letzten Blick auf die schönste Stadt der Welt werfen konnte. In der aufgehenden Sonne glitzerten die Alster, der Hafen und die Elbe und ich konnte zwischen den vielen Häusern auch den Fernsehturm entdecken. Wir waren schon so hoch, das Hamburg aussah wie ein kleines Dorf.
Die Landung in Frankfurt bekam ich erst mit als das Flugzeug aufsetzte. Ich war müde denn ich hatte in der letzten Nacht nur 4 Stunden geschlafen. In Frankfurt hatte ich 2 Stunden Aufenthalt und die nutzte ich, um mich auf dem riesigen Flughafen zurechtzufinden.
Pünktlich um 10:20 hob dann schließlich auch mein Flugzeug nach Buenos Aires ab und auch diesen Start verschlief ich fast. Allerdings hatte ich sowieso keinen Fensterplatz um einen letzten Blick auf Deutschland zu werfen.
Die 13 ½ folgenden Stunden verbrachte ich mit schlafen, essen, spanisch lernen und zwischenzeitig auch mit dem Gedanken, das Ganze nicht heil zu überstehen: ich hatte Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, war müde und konnte mich, eingequetscht auf einem schmalen Sitz der Economy Class, kaum bewegen. Doch der Anblick Südamerikas nach über 10 Stunden entschädigte mich für einiges. Riesige Wälder zogen unter uns vorbei, nur unterbrochen von großen Strömen.
Ca. eine halbe Stunde vor der Landung ging die Sonne am Horizont unter und glitzerte, ähnlich wie bei meinem Start in Hamburg, auf dem Rio de la Plata. Der einzige Unterschied war, dass der Rio de la Plata riesig war im Vergleich zur Elbe. Wir überflogen auch einen Teil Buenos Aires und auch die Stadt war riesig im Vergleich zu Hamburg. Mehrere Minuten zogen die Häuser unter uns vorbei, es nahm einfach kein Ende und ich wusste, dass das nur ein Randgebiet der Stadt war.
Nach der Landung kam die Passkontrolle bei der der Beamte hinter seinem Schalter erstaunt bemerkte, dass ich ein Visum für Argentinien besaß und tatsächlich erst nichts damit anzufangen wusste. Nach einer kleinen Nachfrage oder vielmehr einer kleinen Diskussion mit seinem Kollegen nebenan, stempelte er schließlich mein Visum ab und ließ mich passieren.
Auf meine Koffer musste ich nicht lange warten. Eigentlich gar nicht, denn ich hatte erst mal ein Problem damit, einen Gepäckwagen aufzutreiben. Schließlich tauschte ich noch ein paar Pesos und ging durch die letzte Gepäckkontrolle hinter der mich ein freundlicher Mann (ein Freund meiner Gastfamilie) mit einem Papier erwartete auf dem ANNEKE stand.
Zusammen, er mein Gepäck schiebend und ich nebenhergehend, machten wir uns auf den Weg zu seinem Auto. Für mich war die Reise noch lange nicht zu Ende denn jetzt folgte noch eine Stunde Autofahrt während der ich lieber die Augen geschlossen hätte (und das nicht weil ich so müde war).
Endlich angekommen in meinem neuen zuhause konnte ich mich nur noch mit Mühe solange wach halten wie es nötig war um die wichtigsten Dinge zu klären und meinen Schlafanzug auszupacken. Dann fiel ich erschöpft ins Bett.

Der 5. September 2010
Hamburger Zeit / Buenos Aires Zeit

03:30 / 22:30 : mein Wecker klingelt und ich drehe mich ein letztes Mal in meinem eigenen Bett um.
04:00 / 23:00 : aufstehen! Schließlich will ich nicht zu spät kommen!
04:30 / 23:30 : mit dem Auto zum Flughafen Hamburg.
05:00 / 00:00 : Ankunft am Flughafen. Ein schwerer Abschied steht mir bevor.
06:50 / 01:50 : nachdem das Einstiegsgate geändert wurde ist jetzt etwas verspätet Boarding-time!
07:15 / 02:15 : das Flugzeug nach Frankfurt hebt ab.
08:00 / 03:00 : trotz des etwas verspäteten Starts landen wir früher als geplant in Frankfurt.
09:20 / 04:20 : die Passagiere des Fluges LH 150 nach Buenos Aires dürfen in ihren Warteraum.
10:20 / 05:20 : jetzt heißt es: Goodbye Deutschland!
12:30 / 07:30 : an Bord wird ein überaus leckeres Mittagessen serviert…
22:30 / 17:30 : Abendessen zu einer seltsamen Zeit. Für mein Empfinden ein bisschen zu spät…
00:00 / 19:00 : pünktliche Landung in meiner neuen Heimat.
01:00 / 20:00 : ich hab den Flughafen hinter mir gelassen und sitze im Auto "nachhause"
02:00 / 21:00 : bin in meinem neuen Zimmer angekommen!
02:45 / 21:45 : Schlafen! Nachdem ich fast 24 Std. zwar nicht wach aber trotzdem unterwegs war!
6.9.2010
13:00 / 08:00 : aufgewacht, aber ausgeschlafen? Wird sich zeigen!

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